Zurück zum Geschmack der Natur

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Wenn ich allwöchentlich durch den Supermarkt schlendere fällt mir einiges auf. Vor allem die vielen leuchtenden Farben auf den Verpackungen, stechen mir sofort ins Auge.

Manchmal kommt es auch vor, dass ich plötzlich eine dieser Verpackungen in der Hand halte und das Produkt in meinem Einkaufswagen landet.

 

Ich kann nur vermuten was mich in diesem Moment zum Kauf bewegt. Vielleicht ist es die Lust auf etwas Neues, der kleine Zuckerteufel kommt durch oder eine schon längst vergessene Werbebotschaft lässt mich zugreifen.

Was es auch ist, manchmal verlockt mich das Angebot und ich kaufe mir eines dieser quietschbunten verarbeiteten Lebensmittel.

 

Das wirklich schlimme ist ja nicht mal, dass ich manchmal ungesunde Sachen esse. Es ist viel eher der Punkt, dass ich mich mit der Zeit auch an sie gewöhne und es mir schwer fällt sie nicht mehr zu kaufen. Das führe ich vor allem auf den Geschmack zurück.

Die zahlreichen Aromen in den Gummibärchen sind einfach viel intensiver, als die natürlichen aromatischen Komponenten, welche in einer echten Orange vorkommen. Wie kommen die Hersteller überhaupt auf die Idee einen so übertriebenen Geschmack zu kreieren? Wäre es nicht genug, wenn der Softdrink nur ein bisschen nach Orange schmeckt? Dazu fällt mir eine interessante Geschichte ein.

Mein bester Freund war vor einigen Wochen im Urlaub und zwar in der wunderschönen Stadt Porto in Portugal.

Er erzählte mir von einem traumhaften Tag, an dem er und seine Partnerin durch verlassene Weinberge wanderten und nach einiger Zeit auf einen alten Orangenbaum stießen. „Schon aus einigen Metern Entfernung habe ich diesen unglaublich intensiven Geruch nach Orangen wahrgenommen“, erzählte er mir voller Begeisterung. Der Geschmack der Orange war für ihn wie eine Offenbarung.
„Es war mit Abstand die leckerste Orange die ich je in meinem Leben gegessen habe. Jetzt verstehe ich endlich, warum eine Fanta schmeckt, wie sie schmeckt. Vorher dachte ich mir immer, dass so doch niemals eine Orange schmecken würde.“ Er hat mit seiner zufälligen Entdeckung den Nagel auf den Kopf getroffen.

In der Tat reisen Fachleute der Aromaindustrie in weit entlegene Gebiete auf der ganzen Welt, um den unerreichten Geschmack der heimischen Lebensmittel in den deutschen Laboren nachzubauen.

 

Für unsere Groß- und Urgroßväter war Geschmack wohl eine Selbstverständlichkeit. Die Erdbeere vom Markt hat mit Sicherheit im Jahr 1850 um längen besser geschmeckt, als die heutige Erdbeere beim Discounter um die Ecke. Auch einfache Lebensmittel wie Brot, Kartoffeln, Milch oder Fleisch brauchten kaum weitere Gewürze oder viel Salz. Ein Paradebeispiel ist die lokale italienische Küche, in der heimische Lebensmittel mit wenigen sehr guten Zutaten zu umwerfenden Gerichten kombiniert werden.

 

Wer heutzutage in Deutschland in den Supermarkt geht und alte Familienrezepte nachkocht, wird nicht das gleiche Produkt erhalten, wie es die Ur-Oma einmal kochte, als Sie ihr Rezept niederschrieb. Nur künstliche Aromen und Geschmacksverstärker, wie sie in Brühwürfeln und Tütensoßen enthalten sind, können uns die Intensität des Geschmackes zurückgeben!

 

Aber stimmt das wirklich?!

 

Noch ist nicht, im wahrsten Sinne des Wortes, Hopfen und Malz verloren. Noch haben wir die Möglichkeit den Geschmack unserer Lebensmittel zu retten. Noch können wir erfahren, was Geschmack wirklich bedeutet. Hierzu nun ein paar Tipps von mir.

 

Gehe auf deinen lokalen Wochenmarkt und schaue nach Lebensmitteln, welche grade Saison haben. Zugegeben, im Winter findet man dort wenige Lebensmittel, aber jetzt im Frühling und Sommer gibt es eine unglaubliche Bandbreite an frischen Produkten.

Wenn du dir nicht sicher bist, welche Produkte Saison haben, frage die Verkäufer und Landwirte. Häufig sind selbstangebaute Lebensmittel auch besonders gekennzeichnet. Je frischer ein Produkt ist und je reifer es geerntet wurde, desto gesünder ist es und desto mehr natürliche Aromen konnten sich bilden. Das ist ein sehr wichtiger und häufig vergessener Punkt. Stammen unsere Tomaten aus dem Ausland, so werden sie unreif, also ziemlich grün geerntet und erst durch ein Gas werden sie reif und rot.

 

Kaufe biologische Lebensmittel. Diese sind nicht nur gesünder und besser für die Umwelt, sondern sie schmecken auch besser. Da die Erde beim biologischen Anbau sehr gesund ist, befinden sich mehr Mineralien und Nützlinge in der Erde. Die Pflanze steht in einer sehr komplexen Symbiose mit den Nützlingen und Pilzen. Sie entwickelt ein starkes Immunsystem und hat Zugang zu mehr Nährstoffen. Am Ende erhalten wir eine stärkere und gesündere Pflanze. Weil diese sich aktiv mit ihrer Umwelt auseinandersetzen musste, enthält sie auch mehr Antioxidantien, sekundäre Pflanzenstoffe und natürlich auch Aromen.

Alte Sorten, welche noch nicht durch eine gezielte Zucht auf Ertragsmaximierung getrimmt wurden, bieten in der Regel ein wesentlich besseres Geschmackserlebnis. Diese Sorten haben sich über lange Zeit entwickelt und sind optimal auf ihre Umgebung eingestellt. Hier lohnt es sich auch mal, etwas Neues auszuprobieren. Eine unglaubliche Vielfalt findet sich zum Beispiel bei Obstsorten, wie Äpfeln. Aber auch verschiedene Tierrassen, wie zum Beispiel das Bentheimer Schwein, lassen den sonntäglichen Braten zu einem kulinarischen Hochgenuss werden.

Zu guter Letzt kann ich jedem nur ans Herz legen auch eigene Pflanzen anzubauen. Ich habe nur einen kleinen Balkon, aber es reicht für einige wundervolle Tomaten. Was man selbst hat wachsen sehen, schmeckt einem dann mit Sicherheit am besten.

-Aaron

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