Im Wechsel der Extreme – Wie ich meinem Leben eine Richtung gebe

Jeden Morgen wache ich auf und denke mir: „Heute machst du alles besser als gestern.“
Diesen Gedanken habe ich meistens dann, wenn ich am vorherigen Tag etwas „Schlechtes“ gemacht habe. Mich plagen Schuldgefühle. Womöglich war es die Pizza, die Schüssel Schokomüsli oder der Alkohol, was diese Schuldgefühle auslöst. Vielleicht habe ich mit einem Freund eine Zigarette geraucht oder zu viel Geld für wieder eine neue, unnötige Sache ausgegeben. Ich bin weiß Gott nicht perfekt, doch muss ich gestehen, dass der Drang nach Perfektion mir jeden Tag mehr zusetzt.

Ich höre also zum Beispiel einen Podcast, in dem ein Experte die neusten Forschungsergebnisse vorstellt und verkündet, dass intermittierendes Fasten sehr gute Ergebnisse beim Verlust von Körperfett und der Stabilisierung der Muskelmasse hervorrufe. Ich bin begeistert. Ja! Das hört sich wirklich vielversprechend an. Ich gehe am nächsten Tag motiviert ans Werk und esse meine erste Mahlzeit erst um 14 Uhr am Nachmittag. Ich fühle mich gut. Hungrig bin ich zwar, doch ich scheine mich etwas besser konzentrieren zu können. In knapp einer Woche wird sich mein Körper daran gewöhnt haben und es wird mir leichter fallen kein Frühstück zu essen.
Zwei Tage später halte ich das Buch „Der 4 Stunden Körper“ in Händen und bin begeistert über die Aussagen des Autors, über ein proteinreiches Frühstück innerhalb von 30 Minuten nach dem Aufstehen. Er spricht von den grandiosen Resultaten der Slow-Carb-Diät und erlaubt sogar einen Fresstag in der Woche. Ich vergesse also das morgendliche Fasten und ersetzte es durch ein riesiges Omlett mit Thunfisch und Kidneybohnen, obwohl ich um 07:00 Uhr morgens eigentlich gar keinen Hunger habe.
Zwei Wochen geht diese Diät gut, bis ich zu Besuch bei meiner Mutter bin und für einige Tage ihre Kochkünste uneingeschränkt genieße. Es ist wie früher in meiner Kindheit.
Es gelten keine Spielregeln mehr. Am Abend wird die Weinflasche geöffnet und der obligatorische Becher Eis gehört einfach zu einem entspannten Fernsehabend dazu. Natürlich mache ich ihn auch restlos leer.
Wieder zuhause angekommen begreife ich die Auswirkungen meiner Sprunghaftigkeit. Mein Körperfettanteil ist von akzeptablen 16% auf über 21% gestiegen und ich habe 4 Kilo Muskulatur verloren. Ich bin frustriert. Das erinnert mich alles so sehr an die Zeiten, in denen ich versucht habe von meinen 145 Kilo Körpergewicht runterzukommen.

Es scheint, als sabotierte ich mich jeden Tag aufs Neue. Mein Ideal, welches ich mir jeden Tag mehrmals vor Augen führe, ist ein durchtrainierter energetischer Typ. Ein Vorbild für seine Mitmenschen, der mit eiserner Disziplin alles durchzieht, was er sich vornimmt. Ich spreche doch über Gesundheit, muss ich nicht auch ein perfektes Beispiel sein?

Ein Ideal zu haben ist gewiss eine gute Sache. Es dient als Leitstern, der uns den Weg weißt. Doch allzu oft vergesse ich diese Tatsache und messe mich an diesem Stern. Er ist ja doch nur eine Idee, ohne jeden Bezug zu meinem heutigen Leben.
Was also tun? Ich habe mir eine Liste gemacht. Auf dieser Liste habe ich alles aufgeschrieben, was ich in meinem Leben machen will. 10 MuscleUps zum Beispiel , einmal auf einem Elefanten reiten oder einen Hindernislauf durch den Schlamm machen. Es ist wirklich erstaunlich. Nachdem ich anfing mir diese Liste jeden morgen durchzulesen ist etwas Wunderbares passiert. Ich entspannte mich und plötzlich schienen Möglichkeiten vor mir aus dem Boden zu sprießen.
Mein alter Crossfit-Trainer meldete sich bei mir und die Konditionen, zu denen ich trainieren konnte verbesserten sich. Außerdem fand ich eine Möglichkeit meinen Tennisellenbogen zu heilen und so habe ich nun die Möglichkeit wieder mit Crossfit anzufangen.
Ich traf ein der Organisatoren an einem bekannten Hindernislauf, auf der Geburtstagsparty eines Freundes, was mir einen Zugang zu diesem Event ermöglichte. Leider hat sich bis heute noch kein Elefant bei mir gemeldet, aber ich bin sicher, dass dauert auch nicht mehr lange.

Was lieber Leser, will ich dir also raten? Schaffe dir ein Ideal welches dich leitet, aber messe dich nicht jeden Tag an ihm.
Schreibe auf was du in diesem Leben machen möchtest, so unrealistisch es auch scheinen mag, und konzentriere dich auf diese Dinge. Versuche jeden Tag auf etwas von dieser Liste hinzuarbeiten und scheue dich nicht neue Dinge hinzuzufügen.

Ich glaube fest daran, dass ich auf dem Weg zu meinen 10 MuscleUps auch etwas Gewicht verlieren werde.
Die Vorbereitung auf den Hindernislauf wird mich fitter und schneller machen. Sie wird mich dazu veranlassen gesündere Entscheidungen zu treffen und wer weiß, vielleicht treffe ich ja bald noch auf einen freundlichen Elefanten, mit dem ich den Dschungel erkunden kann.

Ich wünsche dir einen wundervollen Tag.

-Aaron

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