Ich kaufe ein Fairphone 2 – ein Rückschritt?

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Vor einigen Wochen habe ich mich dazu entschieden mir das neue Fairphone 2 zu bestellen.

Für jene, die noch nicht von diesem Smartphone gehört haben, habe ich versucht die wichtigste Fakten in diesem kleinen Text zusammenzufassen:

Schon mit dem ersten Fairphone machte sich das gleichnamige holländische Startup-Unternehmen einen Namen. Das besondere bei diesem Handy ist vor allem, dass viele Materialien aus konfliktfreiem Abbau bezogen werden und dass das Handy fair produziert wird. Durch das modulare Design ist es leicht möglich, die defekten Teile selbst auszubauen und auszutauschen. Die Technik bewegt sich im Mittelfeld. Hier wurden aufgrund der Haltbarkeit und der Modulbauweise einige Abstriche gemacht.

Seit ich mein erstes Smartphone von meinem Vater geschenkt bekam nutze ich ein IPhone. Im Großen und Ganzen war und bin ich ziemlich zufrieden mit der Technik und dem Design. Warum also den Hersteller wechseln?
Zunächst einmal ist mir aufgefallen, dass meine Ansprüche an die Technik stetig wachsen. Da die Bildschirme größer und besser auflösend werden, habe ich ständig das Gefühl, mein Handy sei nicht gut genug. Mein Sitznachbar in der Uni hat mehr Pixel. Die hinter mir hat einen an den Seiten abgerundeten Bildschirm. Und wieder ein anderer kann ganze Datenbanken an Filmen auf seinem Handy speichern. Und ich sitze da mit meinem grünen IPhone 5C. 16 GB Speichervolumen und obligatorische Macke im Bildschirm. Eine Stimme in mir schreit nach mehr, mehr immer mehr.

Ist gut nicht gut genug?

In solchen Momenten versuche ich achtsam zu sein und in mich hineinzuhören. Da will jemand mehr. Viele Aspekte, wie Status, Lifestyle und Komfort führen zu diesem Wunsch nach dem neusten und besten Smartphone. Es führt dazu, dass ich irgendwann dazu bereit bin, jährlich fast 1000 Euro auszugeben. Nur um am Zahn der Zeit zu bleiben. Es ist wie die Karotte, die ewig vor dem Kopf des Esels baumelt. So baumelt vor meinem Kopf auch etwas – nur ist es ein „Apfel“. Zwar recht nah, aber nie nah genug. Doch bevor diese Stimme zu laut und drängend wird und aus einem leisen Gedanken zuerst ein drängender Wunsch und schließlich ein nagendes Bedürfnis wird, schreite ich ein und stelle mir einige Fragen.

Wohin führt mich dieser Weg?

Wohin führt mich dieses Denken? Was bewege ich in der Welt durch dieses Denken? Macht es mich am Ende glücklich oder unglücklich?
Diese Fragen stelle ich mir.
Die Antwort liegt auf der Hand.

Dieses Denken führt mich im Kreis herum. Ein Bedürfnis wechselt das nächste ab. Erst ist es der bessere Bildschirm, dann mehr Speicher, dann die schnellere Datenverarbeitung und so weiter. Glücklich würde mich mein neues „High-End-Handy“ nicht machen.
Vielleicht verspüre ich für einige Stunden bis Tage eine gewisse Euphorie. Doch kommt mit Gewissheit danach ein noch stärkeres Gefühl der Leere, welches ich wieder mit etwas Materiellem zu füllen hoffe.

Ich kann mir gut vorstellen, dass wir uns eines Tages bereits in folgender Situation rückschrittlich vorkommen werden: Wenn unser Smartphone „nur“ eine Projektion in der Luft vor uns ist, anstatt als Implantat in unserer Netzhaut ewig vor uns, bei uns, in uns zu sein.

In diesem Bedürfnischaos befürchte ich das Wesentliche aus den Augen zu verlieren. Meine tatsächlichen Bedürfnisse wie z.B. Glück und Erfüllung.

Nur was macht mich denn glücklich?

Es macht mich glücklich etwas zu verbessern. Es macht mich glücklich Menschen zu helfen. Es macht mich glücklich loszulassen.

Durch diesen Kauf habe ich das Gefühl Anderen geholfen zu haben.
Bestimmt ist auch beim Fairphone 2 nicht alles perfekt. Aber ich weiß, dass der Hersteller wirklich versucht etwas zu verbessern und transparenter zu sein, als seine Konkurrenten. Ich weiß auch, dass sich bei diesem Hersteller keine Mitarbeiter vor Verzweiflung in den Tod stürzen.
Dies hier soll keine Hetze gegen Smartphone-Hersteller wie Apple sein. Ich nutze selbst noch viele Appleprodukte, weil sie einfach super funktionieren. Ich halte aber die Augen offen nach Alternativen, sollten die Produkte einmal den Geist aufgeben.

Wir Kunden haben es in der Hand. Wenn wir ein günstiges Handy haben wollen, wird der Markt gehorchen und dort einsparen, wo es dem Kunden augenscheinlich nicht weh tut. Dafür wird dann aber jemand anderem „wehgetan“. So ist das leider nun einmal. Irgendwo wird gekürzt.

Beim Loslassen versuche ich mich von meinen hohen Ansprüchen und wachsenden Bedürfnissen zu befreien. Ich arbeite daran bescheidener zu werden. Mein Handy kann ich selbst reparieren. Die Technik schafft es mit Sicherheit über die nächsten paar Jahre. Ich brauche nicht jedes Jahr ein neues.

Ich habe jetzt mehr Raum, weniger Sorgen und vor allem mehr Geld. Dieses Geld kann ich da ausgeben, wo es wirklich zählt. Für mich ist das zum Beispiel auf dem Bio-Wochenmarkt.

Ich bin mir bewusst, dass ich nur ein kleines Sandkorn am Strand des Lebens bin. Doch wer schon einmal gesehen hat, welche Kraft ein Sandsturm hat, der weiß, was wir gemeinsam bewegen können. Wir sollten mit uns selbst anfangen.

Wie Buddha schon sagte: „Es ist leichter, sich selber Schuhe anzuziehen, als die ganze Welt mit Leder zu bedecken.“

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