FREE MOVING – Die Kunst, frei zu sein

Stefan

Als ich neulich im Fitnessstudio war, durfte ich folgende Situation beobachten: Mit Mp3-Player-Stöpsel in den Ohren und einem „Hauch von schwitzend“ sitzen zwei junge Damen auf Fitnessgeräten und geben dabei die neuesten Informationen aus dem Privatleben anderer Menschen einander preis. Es kam mir so vor, als würden sich beide davon ablenken, dass sie selbst momentan eigentlich überhaupt keine Energie für das Training haben und sich trotz des fast schon religiösen Fitness-Regiments immer noch nicht wohl in ihren Körpern fühlen.
Als ich mich weiter umschaue, habe ich ein weiteres paradoxes Bild erkannt: Beim Bankdrücken wuchten junge Männer mit schmerzverzerrtem Gesicht dreistellige Gewichtzahlen. Laute Musik und Geschrei ist zu hören. Wenn ich ihnen in die Augen schaue, dann scheint es für mich so, dass ich in ihnen den ständigen Wettbewerb mit anderen förmlich sehen kann.
Es scheint, dass ihre Körper unter den großen Gewichten schmerzen. Mit der „No Pain No Gain“ Einstellung sind ihre Körper sichtlich überfordert. Vielleicht wünschen sie sich von anderen nur ein bisschen Anerkennung und ein aufrichtiges Wort von Herzen.
Mit Sicherheit hast du das auch schon mal im Fitnessstudio gesehen. Vielleicht befindest du dich sogar manchmal selbst in genau jenen Situationen.

Die Frage ist doch: Warum halten wir uns selbst gefangen, indem wir unsere Bewegung an andere derart anpassen?

Ist es nicht merkwürdig, dass wir oft Dinge tun, nur um anderen zu gefallen? Und genau diese Dinge bringen uns dann meistens Resultate in unserem Leben, die wir eigentlich gar nicht wollen.
Die emotionale Gefangenschaft, die du eventuell auch in deinem Leben spürst, durchdringt alles, was du tust. Egal ob du in Gedanken mit dir selbst, mit deinem Vorgesetzten oder mit deinem/deiner Lebenspartner/in redest.

Ein Gefühl ist eine E-motion. Emotion ist die Abkürzung für „Energy in motion“. Und „Energie in motion“ bedeutet „Energie in Bewegung“.

Diese oftmals gefangene „Energie in Bewegung“ zeigt sich am ehesten an einem ganz bestimmten Ort: Deinem Körper.
Es zeigt sich in deiner Atmung, deiner Mimik, deiner Gestik und in jeder deiner Bewegungen. Diese gefangene und aufgestaute Energie in dir gilt es zu befreien, damit du dich selbst genau so ausdrücken kannst, wie du bist.
Oft sind es die unscheinbarsten Situationen, die uns innerlich am meisten treffen.
Es sind genau die Situationen, über die im Alltag oft hinweggeschaut wird. Ein Klassenkamerad sagt zum Beispiel zu dir: „Du bist einfach dumm!“ Obwohl er es nicht wirklich „böse“ meint, fühlst du dich danach einfach etwas zurückgesetzt. Vielleicht drückst du deine Emotionen sofort aus und feuerst zurück. Oder du vergräbst es in dir.
Egal wie du mit dieser Anschuldigung umgehst: Innerlich fühlst du dich irgendwie traurig, nicht wertgeschätzt und auch verletzt. Genau diese Gefühle kannst du in deinem Körper durch eine flache Atmung und eine „bedrückte“ Haltung sehen.

Worum geht es also?
Es geht darum, deine Emotionen wieder in freier Bewegung auszudrücken.
Die Kunst, sich wirklich frei zu bewegen und so zu trainieren, dass du es wirklich „4yourSELF“ tust, ist eine Seltenheit. In den beiden am Anfang beschriebenen Beispielen ist die Bewegung „gefangen“. Nicht nur, dass die Personen ihre Gesundheits- und Fitnessziele nur in sehr geringem Maße erreichen werden: Ihr gesamter körperlicher Selbstausdruck ist in Schablonen gepresst. Es sind Muster und Erwartungen, die es zu erfüllen gilt. Wenn diese Personen wirklich in ihren Körper hineinfühlen, dann würden sie die Ineffizienz des Trainings erkennen.

Wie du ausbrechen kannst
Um aus konditionierten und vorgefertigten Mustern auszubrechen, ist eine Menge Mut nötig. Endlich alle selbst geschaffenen emotionalen Barrikaden zu durchbrechen und dich frei auszudrücken ist in der Tat eine „echte Kunst“. Dafür brauchst du jedoch keinen Abschluss. Alles, was du brauchst, trägst du bereits mit dir und in dir.
Diese Kunst kann man auch als „Free Moving“ bezeichnen. Diesen Begriff habe ich zum ersten Mal bei einem Mann namens Stefan Saxinger gehört, einem ganzheitlichen Coach und Heilpraktiker aus Bad Tölz. Im Bild nebenan demonstriert er eindrucksvoll die Resultate seiner „Free Moving“-Philosophie. Er zeigt eindrucksvoll, dass „48 Jahre“ nur eine Zahl ist, wenn wir uns um unseren Körper gut kümmern.
(Quelle: https://goo.gl/x1Iaxa )
Die grundlegenden Bewegungsmethoden des „Free Moving“ liegen im Benutzen des eigenen Körpergewichts oder von freien Gewichten. Maschinen, an denen du im Sitzen trainierst, haben mit Sicherheit ihren Anwendungsbereich in der orthopädischen Rehabilitation, wenn sie intelligent eingesetzt werden. Um allerdings wirkliche körperliche Fitness, einen im Gesamten starken Körper und ineinander integrierte Körperabschnitte zu haben, ist die Isolation von Muskelgruppen im Sitzen an Maschinen nicht dienlich.
Konzepte wie Crossfit, Freeletics, Calisthenics und Krafttraining sind ein Einfluss für das Free Moving. Jedoch ist die in diesen Disziplinen weit verbreitete Mentalität von „No Pain No Gain“ etwas, das den Trainierenden mehr schadet, als weiterhilft. Übermäßiger Konsum von Stimulantien (Kaffee, Energy Drinks, Pre-Workout Booster, etc.), körperlich und geistig erschöpfte Menschen und chronische Verletzung sind nur ein paar der Symptome dieses Denkens.

Paul Chek (Autor des Buches „How to Eat, Move and Be Healthy“) trifft es mit seiner Aussage „Train, don’t drain“ sehr gut. Auch er demonstriert im Bild nebenan, das sein Konzept „Primal Pattern Movement“ langfristige Resultate bringt. Er ist auf dem Bild über 50 Jahre alt. (Quelle: http://goo.gl/7XcJqj )

Im Free Moving wird der Körper von einem Standpunkt der Selbstliebe und dem Selbstrespekt trainiert und gekräftigt, damit wir uns dadurch optimal ausdrücken können. Es ist sehr ähnlich zu Ido Portals Bewegungsphilosophie, in der er ebenfalls auf die Wichtigkeit des Konzepts „Form Follows Function“ eingeht. Das bedeutet, dass nicht das ästhetische Aussehen und große Muskeln das Endziel und der Hauptfokus effektiven Trainings sein sollten, sondern wirklich freie Bewegung bzw. Bewegungsmuster.
Ido Portal zeigt im Bild nebenan, das er ein authentisches Beispiel seiner Philosophie ist.
(Quelle: http://goo.gl/L4EAQu )

Das logische Resultat aus physiologischer und freier Bewegung wird ein Körper sein, der sich ohne Schmerz und Einschränkung bewegen kann. Diese innere Ordnung und ineinander integrierte Funktion wird sich dann in äußerlicher Ästhetik zeigen.
Free Moving kann kein „Dogma“ (eine Idee mit absoluter Gültigkeit = „der einzig richtige Weg“) sein, denn es ist in seiner Ganzheit ein hoch individueller Ansatz, der auf den Einzelnen ausgelegt ist. Es gibt bestimmte Zugänge, Prinzipien und Methoden, mit denen du in die Richtung des „Free Moving“ gehen kannst. Es wird jedoch niemals klare Regeln dafür geben.
Außerdem wird diese Philosophie von Bewegungsansätzen wie Yoga, Tai Chi, Qi Gong und auch Stilen wie Capoeira ergänzt, um eine umfassende Bewegungserfahrung zu schaffen, die sich auf Bewegungsqualität und -intention konzentriert.
Es geht darum, die Bewegung wirklich zu fühlen und „Eins mit der Bewegung“ zu werden.

Welche Übungen sind sinnvoll?

Um sich langsam heranzutasten, ist ein grundlegendes Mobility Programm angebracht. Lerne beispielsweise für zehn, 20 und dann 30 Minuten in der Deep Squat Position zu sitzen. Ersetze stetig fortschreitend deine Zeit, die du normalerweise sitzend verbringst, mit der tiefen Hocke.
Hier sind einige kurze und knackige Übungen, um einen voll funktionsfähigen und zugleich ästhetischen Körper aufzubauen:
– Nutze eine Mobility Routine vor deinem Training, um deinen Körper wieder an Free Moving zu gewöhnen
– Trainiere mit deinem Körpergewicht an Übungen wie dem Kopfstand, dem Handstand an der Wand, dem freien Handstand (an dem ich beispielsweise immer noch arbeite) oder an einem einfachen Handstütz
– Übe den Lizard Crawl (am Boden wie ein Reptil kriechen)
– Teste Übungen wie Burpees, Push Ups, Mountain Climbers, Squats und Lunges in einem Zirkelformat aus
– Lerne Übungen mit der Langhantel, wie beispielsweise Kreuzheben oder Clean & Press
– Nutze Kurzhanteln, Kabelzüge und Gymnastikbälle als Werkzeuge
– Arbeite mit Gummibändern an deiner Mobilität im glenohumeralen Gelenk (Schultergelenk)
– Benutze Ringe und Klimmzugstangen, um deinen Oberkörper zu kräftigen und Bewegungsmuster wie Drücken und Ziehen zu üben
Um dir alle diese Übungen besser vorstellen zu können, kann ich dir Videos von Paul Chek und Ido Portal empfehlen.
Paul Chek Circuit: https://www.youtube.com/watch?v=fNLRMVUNqbE
Ido Portal „The Movement“: https://www.youtube.com/watch?v=W0Wr7HsylE0

Summa summarum?
Bewege deinen Körper! Lass dich nicht von anderen Menschen in ihren dogmatischen Ansatz zur Bewegung drücken.
Und natürlich packe ich mich hier auch selbst an der Nase. Auch wenn ich mich wiederhole will ich dir den folgenden Punkt mehr als klar aufzeigen: Free Moving ist nicht der einzig richtige Weg.
Wenn du beispielsweise unbedingt ein Wettkampf-Bodybuilder werden und dir eine große Menge an Muskeln aufbauen willst, dann tu es, aber tu es 4yourSELF! Lass es mich erklären: Wenn du weißt, warum du etwas Bestimmtes tust, bist du einen großen Schritt weiter. Wenn du Wettkampf-Bodybuilder werden willst, um andere zu beeindrucken oder anderen zu zeigen, dass du „mehr wert bist“, dann überlege dir:
„Warum sollte ich etwas tun, das mir keine Freude macht? Wenn ich etwas nicht wirklich gerne mache und ausschließlich nur einem Endresultat hinterherjage – will ich dann dafür wirklich meine Lebenszeit eintauschen?“
Wenn du Wettkampf-Bodybuilder wirklich sein willst und es dich vollkommen mit Freude erfüllt, genau diesen Lebensstil zu führen, dann tust du es 4yourSELF.
Die Essenz von dem, was ich dir hier vermitteln will, ist: Free Moving ist kein Dogma.
Free Moving ist der Ausdruck der inneren Freiheit und Lebendigkeit in körperlicher Bewegung.
Da ich persönlich ursprünglich aus dem Hintergrund des Bodybuildings und Krafttrainings komme, kann ich empirisch (also aus meiner persönlichen Erfahrung) noch folgendes ergänzen:
Die hauptsächliche Problematik ist bei allen Bewegungsansätzen die Festlegung von Grenzen und fixen Regeln, die es zu befolgen gibt. Wie ich vorher schon beschrieben hatte, ist kein System generell als nutzlos abzutun. So wie ich die verschiedenen Bewegungsmethoden an meinem eigenen Körper erfahren habe, ist es vor allem die berühmte „Mind-Muscle-Connection“, die es anzuerkennen gilt. Sich wieder durch den Körper vollkommen frei auszudrücken ist eine einmalige Erfahrung, die ich persönlich nicht mehr missen will.

Autorenbeschreibung:
Matthias Vogg ist angehender Physiotherapeut und passionierter „Free Mover“. Zusammen mit seinen Freunden Sebastian, Aaron und Clemens teilt er auf Facebook und YouTube mit der Seite „4yourSELF“ Informationen und Inspirationen zu ganzheitlicher Gesundheit. Durch die Bereiche Ernährung, Ruhe, Freude und Bewegung hilft 4yourSELF dir, deine Träume zu erfüllen und dir ein Leben genau „für dich selbst“ zu schaffen.
4yourSELF ist in folgenden sozialen Netzwerken vertreten:
Website mit kostenlosem Ebook: http://4yourself.org/
Facebook: https://www.facebook.com/4ACMS/
YouTube: https://goo.gl/CfJvDs
Instagram: https://www.instagram.com/4_your_self/

Kommentar verfassen